Reisetagebuch – England

Kategorien Ausgabe 1, Länder

Auf ihren Reisen führte die Künstlerin Manuela Rehahn stets Tagebuch und schilderte ihre Zeit in den jeweiligen Ländern, aus ihrer sehr persönlichen Sicht. Dies ist ein erster Ausschnitt aus ihrem Reisetagebuch-England, welches für eine Publikation im Spurenkreis Verlag geplant ist.

Sevenoaks, Kent

[su_gmap address=“Sevenoaks, Kent“]

Donnerstag, 23.7.1998 (ca. 19:00 Uhr)

Wir sitzen hier in Sevenoaks in einer Pizzeria, um unseren Tageshunger zu stillen. Vor ca. einer halben Stunde saßen wir noch bei meinem geliebten Schloß „Knole“. Es war wirklich eine große Freude Knole wieder zu sehen, irgendetwas berührt mich daran und es strahlt für mich Ruhe und eine Überlegenheit der Zeit aus.
Wir besichtigten heute das Innere des Hauses nicht, unternahmen aber einen schönen Spaziergang um das große Anwesen mit seinen dicken Mauern, doch hin und wieder erspähten wir einen Blick durch ein riesiges Gartentor, zum inneren Teil des Anwesens.

Schloss Knole / Kent

[su_gmap address=“Knole Castle, Kent“]

(21:30 Uhr)

Vor mir liegt Schloß Knole und wird langsam von Dunkelheit umringt, es ist ein fantastischer Anblick. Ich war froh, das wir nun doch beschlossen hatten, die Nacht hier vor dem Schloß zu verbringen. Auf der riesigen Wiese davor, wo Tagsüber alles voll von den Autos der Besucher ist, steht nun ganz allein mein Auto und wenn ich morgen aufwache, kann ich genau auf die riesige Vorderfront des Schlosses sehen, was sicher sehr stimmungsvoll ist.

Bei meinem Spaziergang vorhin, dem Sonnenuntergang entgegen, sah ich wundervolle Plätze rund um das Anwesen und ich fragte mich, wer schon alles diese Wege gegangen ist und ich musste an die Schriftstellerin Vita Sackville-West denken, die in diesem Schloß aufgewachsen ist.
In einem der vielen Seitenflügel, brannte noch Licht in den Fenstern und aus dem Schornstein, oben auf dem Dach, kam Rauch heraus. Das Schloß ist noch immer bewohnt und das seit dem 16. Jahrhundert, obwohl seit Jahren der National Trust dieses Gebäude betreut.
Gerade gingen am vorderen Haupt- und an einem Seitentor die Lichter an, es sieht in der Dunkelheit etwas gruselig aus und erinnert mich an alte Filme, dazu läuft im Radio Spinett Musik und rundet das ganze noch ab, wie fantasiereich. Ich kann mir kaum vorstellen, daß es ein Jahr her sein soll, als ich das letzte Mal hier gewesen bin, die Zeit erscheint mir so kurz, als wäre es gerade erst geschehen.

Schloss Knole

Freitag, 24.7.1998 (ca. 13:00 Uhr)

[…] Wir sitzen hier inmitten der Mauern von „Knole“ und trinken Kaffee, gerade versuchte ich diesen Hof, in dem ich mich befinde, abzumalen, was mir nur mäßig gelang.
Unsere Nacht hier war sehr ruhig und als ich am frühen Morgen erwachte, unternahm ich gleich einen kleinen Spaziergang. Es stieg noch Nebel von den Wiesen auf und ein einsamer Jogger teilte mit mir diesen morgendlichen Anblick der Gegend, wobei mir das fehlen der Touristen und der Golfspieler, die oft hier sind, in keinster Weise fehlte.

In dem großen Park um das Schloß, lebt viel Damwild, das mittlerweile so zutraulich ist, daß es zwischen den Besuchern umher läuft, so auch heute morgen. Wir breiteten unser Frühstück auf der Wiese aus und kurz danach steckten sie ihre Nasen mitten in unseren Frühstückstisch und ergatterten einige Bananen. In Windeseile beendeten wir abrupt unser Essen und versuchten die übrigen Lebensmittel zu retten.
Später nahmen wir uns doch vor, das Schloß zu besichtigen, der Eintritt ist sehr teuer aber da wir nun einmal hier sind, wäre es eine Schande, dies nicht zu tun.

(21:10 Uhr)

Heute Abend schlafen wir noch einmal hier in Knole, na ja „in“ ist wohl nicht ganz richtig, wohl eher davor, im Auto.
Wie schon einmal erwähnt sahen wir uns das prächtige Innenleben des Hauses an, mit seinen unglaublichen Räumen, Treppenhäusern, Galerien usw., anschließend unternahmen wir eine Radtour und suchten das Wohnhaus „Long Barn“ von Vita Sackville West, in dem sie nach ihrem Auszug von Knole mit ihrem Mann lebte.
Dieses sollte sich jedoch als sehr schwierig herausstellen.
Zuerst fuhren wir durch den großen Landschaftspark von Knole, der völlig eingezäunt war, was wir allerdings nicht vermutet hatten. Ich fragte mich zwar gestern, warum die Rehe nicht woanders hin laufen würden, nun aber weiß ich, sie kommen überhaupt nicht heraus. Doch in diesem riesigen Park, der mich eigentlich nicht wirklich an einen herkömmlichen Park erinnert, ist mehr Platz als genug für diese Tiere.

Nach einigen Kletterübungen überwanden wir jene Zäune und radelten los in Richtung „Weal“, was ganz in der Nähe liegen sollte, allerdings benötigten wir mehrere Auskünfte von verschiedenen Leuten. Ein wenig stimmten unsere eingeschlagenen Richtungen immer, aber eben nur ein wenig und so brauchten wir sehr lange um erst einmal in diesen Ort zu kommen, wo wir uns in einem wirklich süßen englischem Dorfladen,eine Kaffeestärkung holten. Dann gingen die Umwege weiter, bis ein freundlicher Herr uns genau erklärte wo wir „Long Barn“ finden konnten. Wir bemerkten später, daß wir schon daran vorbei gefahren waren und es nicht bemerkten, weil ein hoher Zaun das Haus umgab und wenig Einblicke frei lies, was sehr schade für uns war, für so viel Mühe.
Trotzdem bin ich froh darüber, daß wir dieses Landhaus überhaupt gefunden haben.
Nach dieser anstrengenden Radtour, die wir den größten Teil fast zu Fuß zurücklegen mussten, weil es ständig bergauf ging und wir nicht die besten Fahrräder besassen, sitzen wir nun in meinem Auto (Wohnwagen) und sind völlig kaputt doch trotz der Anstrengungen froh, sahen wir doch einen sehr schönen Teil der Landschaft vom Garten Englands.

Knole

Samstag, 25.7.1998 (11:30 Uhr)

Heute morgen bin ich wieder relativ früh aufgestanden (9.00) und unternahm meinen Morgenspaziergang um das Anwesen und um mich gleichzeitig von hier zu verabschieden, denn heute geht es weiter in Richtung London. Im Moment sitzen wir in dem kleinen Vorhof des Schlosses (Brewhouse) und trinken unseren Morgenkaffee, was sehr idyllisch ist. Eine gute Idee, so finde ich, in den Mauern von Knole eine kleine Wirtschaft zu betreiben, gut zu mindestens für die Besucher.
Ich fühle Trauer in mir aufsteigen, weil wir weiterfahren, daß Schloß ist mir ans Herz gewachsen!

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