Verbindungssucht

Kategorien Ausgabe 1, Leben

Gedanken über die Einsamkeit

Es gibt Tage, an denen sich der Mensch allein und verloren fühlt, ohne ein Zeichen von anderen, so als würde die eigene Existenz niemanden interessieren.
Und weil dies so schmerzhaft und beunruhigend ist, wird auf der bereits bestehenden Mauer, eine noch höhere errichtet, um sich selbst von der Außenwelt zu schützen und jeder Kontakt, der dennoch hindurch kommt, entwickelt sich zu einer Störung, weil sich der schwache Geist von allen anderen getrennt hat und jedes Zeichen der Existenz als Verletzung empfindet.
Man wird den Zustand der Isolation hassen und zur gleichen Zeit die Verbindung mit den Menschen fürchten, ein Verlassen der Mauern vermeidend, einer Abwärtsspirale, bis der Kontakt mit der Aussenwelt immer schwerer wird.
Wenn jedoch, die Mauern durchbrochen sind oder sich ein Riss bildet, da andere Verbindungen gelegt werden, durch neue Wege, unterschiedliche Möglichkeiten, wird eine Grundlage gebildet, die bald zur zweiten Natur wird.
Die Verbindung mit einem anderen Menschen, wird so wichtig sein, wie einstmals die Isolation. Und die Kontakte werden wie Luft und Wasser zur gleichen Zeit, ohne die es kein Überleben zu geben scheint. Ein neues Selbstbewusstsein erwacht, eine plötzliche Stärke, die Teil der grundlegenden Wirklichkeit wird.
Doch so erfüllend die Zeit des Zusammenseins und des Austauschs auch ist, so verstörend und vernichtend mag die Rückkehr in die eigenen Wände sein.
Für den Augenblick wird es nichts dazwischen geben…
Der Ruf nach Draussen wird zur Notwendigkeit, die Verlustangst ein ständiger Begleiter und die Verbindung zu anderen eine Sucht.
Während die eigenen Wände, einst ein Hafen der Sicherheit waren, verwandeln sie sich nun in ein rastloses Jagdgelände, auf dem man keinen Frieden finden kann oder es zumindest auf diese Weise scheint…
Verbindungssucht kam mir in den Sinn, als ich darüber nachdachte, denn für einen Einsiedler, der seine Kraft einst aus der Stille des friedlichen Waldes, in dem er existierte fand, ist es das Extrem, vor dem er sich schon immer fürchtete!

Gibt es denn nichts dazwischen, keinen Mittelweg, der Verbindung und Trennung vereint?

Wenn es niemanden gibt, der nach der eigenen Existenz fragt und man jeden ablehnt, der versucht Kontakt aufzunehmen, wenn man im Dickicht der Angst gefangen ist, wird es sehr schwer sein!
Vielleicht, so dachte ich dann, treibt diese Sucht nach Verbindung zu anderen Menschen bzw. um es weniger negativ zu formulieren, die tiefe existenzielle Sehnsucht des Menschen, uns in die weiten Welten der Online-Netzwerke, in denen immer andere Menschen weilen!
Hier können wir uns leicht mit anderen verbinden und irgendwie scheint es auch weniger Barrieren zu geben und durch die Unterteilung in Themen- und Interessenbereiche, gibt es auch weniger Hemmschwellen!
Jeder weiß warum man da ist und es gibt keine bzw. weniger Spiele um das Kennenlernen.
Aber wie viel Substanz hat diese Welt wirklich? Ist sie tatsächlich in der Lage, die tiefe Sehnsucht nach Verbindung im Menschen zu erfüllen?

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