Erwachen im Spiele

Kategorien Journal, Spuren

Halbherzig vielleicht und noch ohne eigene Kraft, aber stets in Gedanken um eine Wiederbelebung des Spiels, brachte die erste wirklich realisierbare Möglichkeit seit langem, in einer Theateraufführung zu erscheinen, das erneute Erwachen um diesen Teil der darstellenden Kunst.
Aber mehr noch als die eigentlichen Aufgaben im Stück, eher minimal und noch unausgereift, waren es die Gedanken nach der ersten Probe, die Beschäftigung mit der Rolle, die Erweiterung der Aufgaben, die Möglichkeit der Schöpfung und das Einbringen in ein Werk, welche, einer Energiewelle gleich, mich in wundersame Gefilde versetzten.
Und so scheint es vielleicht nicht verwunderlich, wenn die vermeintlich (!) jähe, beinahe vollständige Ablehnung meiner Ideen, mir tiefen Schmerz und Verzweiflung brachten, zumal damit der Komplexität um die Rolle nicht geholfen war und in ein schwieriges Dilemma einer Falle gleich ich fiel.
Und Resignation und Endgedanken einem düsteren, schwarzen Loch aus der Unterwelt entsprangen, erneute Angst, Abbruch und Ende noch bevor es überhaupt begonnen, noch bevor sich der Vorhang überhaupt geöffnet hatte.

»Ist dies mein ewiges Schicksal?«, fragte ich mich lautstark und wutentbrannt.
»Oder soll ich etwas dabei lernen, nicht resignieren, die Dinge erdulden und ein Weg durch das Dickicht hindurch finden?«
»Oder war es der Kampf in mir, akzeptieren zu müssen, dass ich hier in dieser Sache eher folgen muss und nicht allein bestimmen kann?«
»Oder auch die Angst um die Suche nach einer Lösung, da ich öffentlich erscheinen würde und bisher weder Grundlage, noch Klarheit oder Sicherheit darüber empfinden konnte?«
»Oder sogar die öffentliche Bekanntmachung, welches den Druck auf mich selbst erhöhte und ich mich in eine Position brachte, die mir aufgrund der Unsicherheit über meine Rolle und des noch immer fehlenden Selbstverständnisses, verstärkt und beängstigender auf mich einwirkte?«

Denn noch immer fühle ich nichts Besonderes in dem was ich tue oder hege den Wunsch in mir vor anderen zu erscheinen.
Trotz der bloßen Teilnahme in einer kleinen Rolle, brauche ich als Spieler doch die Sicherheit und das Selbstverständnis, ohne die ein Künstler nichts vollbringen kann.
In einer solchen Arbeit braucht es auch Ermunterung, das Nähren des jeweiligen Gefühls wirklich etwas geschaffen zu haben, unabhängig davon wie man in den Augen anderer nun wahrgenommen wird.
Es war ein Ringen um die Sache und für einen Augenblick schien es deutlich was geschehen würde.
Dann ließ ich ab vom inneren Kampfe, beließ es bei dem Ende des Gesprächs und wie die Wogen eines aufgebrachten Meeres, hielt erneut die Ruhe und Klarheit ein.
Dann der Verweis auf ein neues, kommendes Projekt.
Und die nächste Probe, in welcher sich vieles zur Klarheit formte, das zu erfüllende Gefäß der Aufführung und meiner Rolle sich festigte und der Raum der Darstellung selbst eine gewisse Offenheit und Freiheit sicht- und spürbar werden ließ.
Vielleicht zu tief in Sorge, mich eher am nicht machbaren aufgehalten, als an dem was möglich ist. So löste sich der Knoten und mit dem Näherrücken des Aufführungstages verschwanden auch Furcht, aber nicht die Zweifel.


Anmerkungen

  • Gedanken während der ersten Proben von „Awater“ des Sayaka Motani Collective’s (Link & mehr Informationen folgen in Kürze), die zur Aufführung im Februar in Tokio folgten …
  • Ein weiterer Eintrag zur Entstehung und der spannenden Theaterarbeit im Collective folgt bald im Werkstatt – Journal
  • Das neue Projekt, im Eintrag beschrieben, war „Hamlet meets Tango“, eine Adaption des Shakespeare Werkes, mit Tango Musik und einem Noh Tanz …
R. Rehahn
Autor, Künstler & Herausgeber...

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