Die Lichter vor mir

Kategorien Journal, Spuren

Da sind Lichter, jeden Tag, welche den Weg vor mir zu erleuchten (ver)suchen… Warum ignoriere ich sie und wandle weiterhin in der Dunkelheit?
Weil ich glaube, dass sie nur Illusionen sind, die Wahrheit der Finsternis vor mir verbergen, da ins gleißende Licht eingetaucht, ich diese nur als flackernde Schatten wahrnehme?
Jeden Tag setze ich mich vor diese Lichter, meditiere, singe, bete, lobpreise, bitte, ja flehe, hoffnungsvoll Zeichen der Erleuchtung ersuchend, um sie dann im Erklingen der Klangschale zu erlöschen.
Und mich aufs Neue in der Dunkelheit verliere…
Da mich das Gleichgewicht der Ausgewogenheit erneut verlässt, scheinbar im selben Dasein zu erwachen glaube, bestürzt darüber, dass doch alles unverändert brach und verdorrt vor mir liegt.
Natürlich bin auf dem Pfad vor mir ich vorangeschritten, habe zahlreiche Wegsteine passiert, Lasten getragen und hinter mich gelassen, bin lebendig und hatte gute Tage…
Doch der Horizont vor mir, hat seinen düsteren Anstrich beibehalten, kaum zukunftsweisende Gestirne preisgebend, die wenigen Zeichen weisen auf einen beschwerlichen Marsch vor mir, denn es ist derselbe Weg, den ich mir doch nur schönreden wollte, sage ich mir verbittert.
Und die vorwärtsdrängende Frage, welche anderen Richtungen ich nun einschlagen könnte, lässt mich ratlos am Wegrand stehen bleiben, keine wirklichen Antworten findend, bis ich, ohne Alternative, einfach apathisch weiter trotte, wie die Worte dieses Eintrages beweisen.
Oder ist das Beweis dafür, dass ich die lichten Rufe endlich erhöre und ihnen folge?
Noch immer hadere ich mit dem eigenen Dasein, glaube es sei fern der Wirklichkeit, ein Streiten gegen Windmühlen, eine Illusion, die bittere Wahrheit leugnend, das eigene Scheitern noch immer ablehnend, mich in der Spiegelung des Teiches verlierend, obwohl der Lebensbaum über mir doch längst verdorrt ist…
Unter einem trüben, grauen, dunklen Himmel, dessen Sterne doch schon längst verloschen sind.
Ist es tatsächlich allein das Ungleichgewicht, welches aus mir spricht und auf ein Neues droht, mich in den Abgrund zu reißen?
Oder haben auch die Zweifel ihre Berechtigung?
Immerhin kann, ein die Heilung unterstützender Tropfen, ohne wahre Veränderung, keine wirkliche Lösung sein…
Da sind Lichter, jeden Tag, welche den Weg vor mir zu erleuchten (ver)suchen. Sind es Irrlichter oder Leuchtfeuer im täglichen Ringen um das Leben?
RR, 01.10.2016

R. Rehahn
Autor, Künstler & Herausgeber...

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