Stimme aus den Schatten

Kategorien Journal, Spuren

Das Netz, welches mehr und mehr diese Welt umspannt und alles verschlingt, ruft ständig nach Aufmerksamkeit, nach Konsum und Beteiligung, jedoch ebenso zur Anteilnahme und Beteiligung, und auch ich erliege seinem „Reize“.
Doch ich bin wie ein, im Schatten schleichendes, Wesen:
Vor Ort anwesend, vielleicht hier und da sichtbar, aber hoffentlich unerkannt, auch wenn das das in dieser Zeit vielleicht pure Illusion scheint, da es immer heisst, dass unsere Spuren & Zeichen, wie Brotkrumen, überall verteilt und nachvollziehbar sind, uns irgendwann zur Falle werden und bestimmte Gruppen, Regierungen usw., wie Geier um unsere Informationen kreisen.
Seitdem ich als Mensch diesem Netz mehr und mehr meinen Rücken zukehre, mich immer weiter entferne, fühle ich mich freier und doch auch abgetrennt und isolierter als zuvor, als wäre man von einem Teil der Welt abgeschnitten, wenngleich es vielleicht kein essentieller oder lebensnotwendiger Aspekt der Existenz scheint, da die wahrhaftigen Menschen für einen Selbst, auch unabhängig davon in Erscheinung treten und bei einem sind…
Meine „kritische“ Stimme zu erheben, dem inneren Rufe zu folgen, würde mich jedoch enttarnen, von meiner Existenz zeugen und einmal in der Öffentlichkeit erklungen, vermag sie vielleicht nicht mehr zu verstummen oder fühlt sich genötigt etwas zu sagen und wäre arg gestresst, wenn sie nichts zu sagen hat.
Also bleibe ich stumm, schweige, nehme mich zurück, obgleich aus einer gewissen Schwäche, Interesse oder Hoffnung heraus, doch von Zeit zu Zeit ins Licht durch ein paar Worte trete, des Netzes gesponnene Fäden aufnehme und ihnen folge.
Eine Stimme aus den Schatten, kann nur in der Stille, im Verborgenen, verbleiben.
Oder kann sie, wenngleich in diese Schatten eingehüllt, erklingen, und dennoch weitestgehend unerkannt bleiben? Ist dies Feigheit oder Selbstschutz?

„Und selbst wenn ich diese kritische Stimme tatsächlich zu erheben vermag, was könnte sie schon bewirken?!“, sprechen der Zweifler und vielleicht auch der Realist in mir.

Noch bevor sie in Geist oder Herzen der Mitmenschen, auf diese oder jene Weise, in Miß- oder Wohltönen, erklingen würde, wer sollte sie, in ihrer kaum vorhandenen Signifikanz wahrnehmen, sie respektieren oder ihr Gehör schenken?!
Oder geht es darum nicht allein?! Ist das Erheben der Stimme bedeutsam, für das eigene Dasein und als erster Ruf in schweren Zeiten, schon um nicht daran zu Ersticken, angesichts der schreienden Missstände in der Heimat und der Welt?!
Braucht es nicht gerade in diesen Tagen mehr Stimmen, so kritisch sie auch sein mögen, um Veränderungen auf den Weg zu bringen? Denn wartet man zu lange, scheint das grelle, kalte Licht der Ungerechtigkeit bald so gleißend, dass jeder Schatten verloren ist und niemand mehr sich vor den Diktaturen verstecken kann, die das Leben im Keim ersticken, die Freiheit in Ketten schlagen und am Ende, der Menschen Dasein bedrohen.

„Tritt heraus aus dem Schatten!“, spricht die Stimme der Vernunft und Wahrhaftigkeit. „Wähle deine Sprache, deinen Tonfall und deinen Gestus, weise. Mein ist die Wahrheit spricht der Herr, die Reden in Zungen und in der Prophetie, stehen für uns bereit, damit der wahrlich Hörende es versteht und die Ignoranten es ohne sich zu echauffieren abtun, auf dass sie sich nicht ereifern und bedrohen.“

Wenn die Stimme in der Wahrheitssuche erschallt, nicht in der eigenen Eitelkeit verkommt, stolzer Haß und fehlendes Mitgefühl außen vor bleiben und immer in Gewissheit der persönlichen, menschlichen Fehlbarkeit und Einseitigkeit gewahr bleibt, kann sie doch nicht allzu sehr vom Web abkommen oder gar zuschanden?!
Sprach die Stimme und verweilte, für diesen Augenblick noch, im Zweifel und deshalb weiterhin im Schatten, fragend, wie lange das Ausharren in dieser schweigenden Starre, während es innerlich doch brannte, noch möglich sein würde…
RR, 15.12.2015, 02.04., 14.03. & 22.03.2017



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