Das (un)sichtbare Machtgefüge

Die westliche Welt ist darauf aufgebaut den Anschein zu erwecken, als leben wir in völliger Freiheit1, anders als in Diktaturen, elitäreren System usw., in denen es größere soziale Unterschiede gibt, die einen Veränderung des sozialen Status zwar sehr schwer, aber nicht unmöglich machen.

Für die Menschen im Westen sind die Wege ab- und aufzusteigen vorhanden, was der Menschheit einmal die Möglichkeit zur Hoffnung nach einem besseren Dasein und damit Antrieb für Arbeit, Lernen, Kreation gibt, doch andererseits auch die Angst vorm Abstieg und damit in vielen ebenfalls einen Antrieb freisetzt das zu schützen, zu verteidigen und nicht zu verlieren, was man sich einmal erarbeitet hat.

Doch weil der Staat keine absolute Sicherheit geben kann, gibt es noch eine andere Konstante, das soziale Netz, welches den kompletten Fall nach unten, damit völlige Armut verhindern kann, wenn man nur möchte und die damit zusammenhängenden Auflagen akzeptiert, und dadurch womöglich Unfrieden vermeidet und einen gesellschaftlichen Frieden ermöglicht.

Vielleicht wird deshalb alles (?) getan, um den Status Quo in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten, weil das Volk als eine Gruppe unberechenbar und machtvoll ist, es auch immer war und im Falle eines Zusammenbruchs nicht länger aufzuhalten.

Dabei scheinen kleine Gruppen (denen es gut geht oder die leiden) unwichtig, solange eine größere Anzahl von Menschen, womöglich ist dies die Mittelschicht (?)2, sich in Sicherheit und Schutz, frei Entscheidungen zu treffen und das eigene Leben zu bestimmen fühlt.

Es könnte sein, dass trotz der immer größer gewordenen Gleichheit in der Bevölkerung, deshalb an diesem System festgehalten wird, welches für einen Großteil (die Leistungsgesellschaft?) zwar funktioniert, aber zur gleichen Zeit auch Unterschiede schafft und aufrecht erhält.

Die Gleichheit aller würde das System zusammenbrechen lassen, weil sich das Volk als eins fühlen könnte und damit zu machtvoll wäre.

Die Aufspaltung in eine Ethik der Linken, Rechten und der Mitte, religiöse Strömungen, gesellschaftliche Ebenen, soziale Unterschiede usw., hält die Bevölkerung auseinander und das scheint besser für die Eliten.

Deshalb wird, trotz scheinbar wachsender Freiheit und Gleichberechtigung, anderweitig strenger vorgegangen, Unterschiede hervorgehoben, eine Spaltung vorangetrieben und dies noch viel stärker als jemals zuvor.

Zusammen mit der konstanten Überwachung, der Dauerbeschäftigung von Geist, um eigene, freie Gedanken zu unterbinden, und Körper, um Zeit zu begrenzen und eine Art konstanter Bewegung zu schaffen, damit ein Innehalten unmöglich gemacht wird, wobei auch hier die Unterschiede (so völlig nichtig sie auch sein mögen), für die Spaltung unterstützend wirken, werden die Massen im Zaum gehalten, in einen silbernen Käfig3 gesperrt…

Solange die freie Wahl bestehen bleibt wohlgemerkt, was für uns Menschen wohl der wichtigste Aspekt des Lebens ist, auch wenn wir niemals vollkommen freisein können, denn irgendwo ist man ja immer Regeln unterworfen, schon bei den Naturgesetzen angefangen.

Die Möglichkeit eines Auf- & Abstiegs, bei der gleichzeitigen beinahe absoluten Sicherheit vor dem Fall, ist ein „fast“ perfektes, wenn auch perfides, Machtgefüge nach allen Seiten hin.

RR, 19.12.2015, 17.07. & 19.07.2017


  1. Natürlich leben wir in Freiheit bzw. in einer Freiheit, fernab der um einiges komplexeren Situationen diktatorischer Systeme. Dies bedeutet aber weder, dass wir in einer allumfassenden leben, noch in einer absoluten oder perfekten Freiheit. Das Aufwachsen in der DDR bis hin zur frühen Jugendzeit, lassen mich den Unterschied verstehen! Die westliche Welt hat jedoch ebenso ihre Käfige und Unfreiheiten, ist kein perfektes, oft Menschenfeindliches System und gewiss auch nicht die finale Gesellschaftsform, wie es aussieht, wohl leider nach allen Seiten hin. Das heißt, es wird leider wieder in Richtung strengere Systeme gehen, die Chance auf Besserung besteht jedoch. Freiheit ist definierbar, aber der Weg aus der Feudalität, durch die Neuzeit, bis heute und in die Zukunft, scheint sich nur über unser jetziges System gestalten zu lassen. Weder die rechten noch die linken Gesellschaftsformen seit der Feudalzeit, waren in der Lage wirkliche Alternativen für die Menschheit zu sein. Beide haben durch ihre Radikalität und geistig elitären Richtungen entzweit, zu Krieg und Unterdrückung geführt. Es gilt also zu bewahren was gut ist, weiter zu gestalten, umzukehren, für die wahre Sache (und Freiheit) zu kämpfen und neu zu erkunden – alles Aspekte, die mehr und mehr unterdrückt werden sollen und in Gefahr sind. Die Obrigkeit kann und wird die Freiheit niemals freiwillig hergeben, Politiker sind oft nur Lakaien, Heuchler oder Diener ihrer eigenen Agenda, es liegt, wie in jedem Zeitalter, am Volk, welches sich als ein Volk, trotz aller Versuche es zu entzweien, verstehen und dementsprechend agieren muss. Wie es während aller Volksrevolutionen und am Ende auch in der DDR, geschehen ist. Veränderung ist natürlich komplexer und von vielen Faktoren abhängig, ohne den Druck eines Volkes gibt es jedoch keine Hoffnung! ↩︎
  2. Oder jetzt sogar die Oberschicht, wie jemand anmerkte… ↩︎
  3. https://spurenkreis.de/journal/2017/06/16/im-silbernen-kaefig/ ↩︎

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