Selbstporträt © Peter Lundgren ...

Von der Betrachtung des Menschen über den Augenblick hinaus…

Das vorerst letzte Fragment der entstehenden Erzählung……

Von Zeit zu Zeit, stellte er sich die existenziellen Fragen:

Warum bist Du so hart zu Dir, warum zweifelst und ringst Du so bitterlich mit Deinem inneren Selbst?

Und verzweifelte beim Blick in den Spiegel darüber zu erkennen, wo er stand, wie wenig er vorangekommen und wie fern all seine Ziele waren.

»Weil Du über den Menschen der Du im Augenblick bist, hinausblickst…«

Sprach eine gütige Stimme ihm plötzlich Mut zu und noch weiter:

»Der Kampf in Dir, ist für den Menschen, der Du werden möchtest gedacht, obwohl nicht wirklich sicher ist, ob Du das überhaupt jemals schaffen wirst!«

Also betrachtete er sein zukünftiges SELBST, wenn er an dem Menschen zweifelte, den er im Spiegel sah?, dachte er bei sich… Warum jedoch wurde er so unvollkommen geboren, warum musste er diesem schweren Pfade folgen, als jemand der er weder war noch sein wollte?!

»Du bist wer Du bist, in den Augen und Gedanken der Menschen, nur, Du bist derjenige, der nicht mit sich zufrieden ist – wenn Du allein wärst, würde es niemanden geben der Dich kritisiert als Du selbst, und während Dein Schöpfer Dich einem Kinde gleich annimmt, beugst Du Dich dennoch Deinem Urteil, denn Du bist ein Mensch…«

Holte die Stimme aus und führte fort:

»Es ist, wie es ist… Hadere nicht mit dem Pfad vor Dir, akzeptiere ihn, denn es ist dieses Kreuz welches Du tragen musst, gerade heute, an diese wichtigen Tage, solltest Du dies begreifen. Wenn der Prophet der Propheten, … Gottes Sohn, für den Sieg über den Tod gefeiert wird, … solltest Du den Weg Deines eigenen Kreuzes verstehen …«

Sprach die innere Stimme und verschwand wieder in der Stille…

Aus Impulsen heraus, agierte er kaum, denn der jetzige Mensch, war fragwürdig in all seinem Tun und seinen Gedanken, mehr als einmal, eigentlich das gesamte Leben hindurch, wurde er verurteilt für das was er war, Gewissheit über das grausame Leben seit der frühen Kindheit, ein unschuldiges, sorgloses Kind konnte er nicht sein, das Dasein hatte dies durch Traurigkeit, Angst und Schock, zu früh von ihm genommen, wurde er zu einem Wandler zwischen den Schatten, die Extreme zwischen Innen & Außen auszubalancieren, den Unterschied zwischen Kultur und Geist zu erkennen – in den Schatten zu existieren…

»Wenn Du Dich zu weit aus dem Fenster lehnst, wirst Du fallen!«

Das waren die Worte, die ihm in den Sinn kamen, wenn er an das Leben dachte und fragte sich, ob dies dieselbe innere Stimme war, die ihm soeben noch Mut zugesprochen hatte.

… Hinter alldem jedoch, ist ein anderer Mensch und manchmal existiert er, in Fragmenten nur…

Wenn er sich selbst beurteilen würde, für den Menschen, der er heute war, vermochte er tatsächlich nur in tiefe Verzweiflung fallen, obwohl dies vielleicht zu selbstkritisch schien, war es für ihn doch nicht minder wahr, in mancherlei Weise, da er auf jedem Pfad wankte, weil er in vielen Pflichten und Verantwortungen scheiterte, denn er vermochte kaum irgend etwas zu schaffen…

Wie ein Kind lebte er vor sich hin, unfähig der Mensch zu sein, der er zu sein sein vermochte oder nach dessen Selbstverwirklichung er trachtete!

Es mochte wahr sein, dass vor jeglichem Wandel seiner Selbst, man das augenblickliche ICH, in all seiner zweifelhaften, zerrissenen Zerbrechlichkeit, sehen, erkennen und akzeptieren musste, um von dieser selbstauferlegten Ehrlichkeit voranzuschreiten…

Manchmal fragte er sich, warum er noch immer diese Momente der Klarheit, des Verständnisses hatte und er überhaupt noch weitermachte, jenen im Geiste antraf, der er trachtete zu sein?!

Dies aber war sein Weg und es konnte keinen anderen geben, doch während er in die Möglichkeiten seines zukünftigen SELBST blickte, verflüchtigte qualvoll sich der Mensch im Hier und Jetzt, im Dasein, im Geiste, in Empfindungen und Sein, menschlich und gesellschaftlich…

Das Ödland seiner Existenz aber, vermochte eine Abkehr all der Gaben nicht zu erwirken, wenigstens für den Augenblick, um über den Menschen von jetzt hinauszublicken, um das zu sehen, was hinter diesem Leidenspfad liegen würde, der mit Tränen und Schmerz, Einsamkeit und Furcht gepflastert war.

Und die innere Stimme kam als reine Gestalt zurück zu ihm, ein Gesicht erschien vor seinem inneren Auge, mit einem warmen Lächeln umspielt, eine gütige Hand des Wohlwollens ausstreckend…

Über den Menschen des Augenblicks hinauszublicken, war der Zustand seiner Existenz, welcher ihn definierte, war er doch sein eigener ärgster Feind, da er die Gegenwart nicht genug zu schätzen und zu pflegen vermochte, als sein treuester Alliierter, da er in der Lage zu sein schien, hinter das Sichtbare zu schauen, sowohl in anderen als auch in sich selbst, denn Erfüllungsvisionen erhellten das finstere Unwesen, welches ihn so oft in die Wälder der Verzweiflung jagte…

Und da gab es auch SelbstTäuschung im Innern und ein Dickicht aus Lügen und Wunschdenken. SelbstErinnerung und Bewusstsein, Differenzierung aller Aspekte, Klarheit… Werkzeuge um einem wahrhaftigen Pfad zu folgen… Blicke hinter das Antlitz der Menschen im Heute, eine Gestalt die seine Zeit hatte bis zu diesem Moment, aus der Vergangenheit und weiter, sich durch die Gegenwart kämpfend, hoffentlich hin zu einer lichterfüllten Zukunft – ihn umherwandern lassend, in der Nachfolge seiner Visionen, eines Tages mit dem Propheten zu verschmelzen…

RR, Aus dem englischen Originaltext übertragen, 19.12. & 31.12.2017 …

Selbstporträt © Peter Lundgren

Über

R. Rehahn

Autor, Künstler, Herausgeber ...

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