Von kosmischen Ereignissen

»Hast Du heute schon den „Blut-Mond” gesehen?«, fragte meine jüngste Schwester mich am Abend per Nachricht.
Natürlich hatte ich davon gelesen, die Tipps, wo er gut zu sehen sein würde allerdings nur überflogen, und das Ganze seitdem, in diesen rastlosen, mit vielerlei anderen Dingen überfluteten Tagen, schon wieder fast vergessen.
Ich musste Ihre Frage zudem verneinen, denn „ihn zu finden, vermochte ich nicht“, zumal er verdeckt oder unsichtbar schien, verloren in den kalten Häuserschluchten der Großstadt in der ich lebe.
Beinahe aus meinem Geiste verdrängt und vergessen, war diese besondere Erscheinung des Mondes bereits wenige Augenblicke später, als, auf dem Weg zum Zug, der Blick eines Mannes in die Höhe, ihn mir wieder in die Erinnerung rief…
Also hatte ich zuvor an der falschen Stelle geschaut, dachte ich bei mir, hoch oben, nahezu über mir, am Nachthimmel, konnte ich den Erdtrabanten nun, als kleinen, rötlichen Punkt am Himmel ausmachen.
Da war er nun, der „Blut-Mond“, trotz seiner Ferne, eindrucksvoll und majestätisch, in mir entfaltete sich die Freude darüber an diesem Naturschauspiel teilhaben zu dürfen, welches die Menschen jeden Zeitalters, selbst uns, die wir den oft entmystifizierten Blick, vor allem auf uns selbst und darauf was wir in den Händen vor uns haben, richten.
Aber wenn wir uns gegenseitig an die Existenz der Natur und kostbare, für ein flüchtiges Menschenleben, kosmische Ereignisse, wie dieses, hier und da erinnern, durch weitere Gedanken vertiefen, bei allen Himmelsblicken, nicht die Konzentration auf die eigenen Füße vergessen, besteht Hoffnung für uns, fühle ich nun, da ich nach bedeutungsschweren Worten für diese Gedanken suche.
Nach meiner Ankunft sollte ich den Blick erneut in den Nachthimmel erheben, denke ich in diesen Augenblicken, da mein Zug im heimatlichen Bahnhof einfährt, doch während unser nächstgelegener Nachbar im All, fest an der gleichen Stelle verankert ist, so erscheint er wieder als silberne Scheibe, dessen äußerer Rand noch leicht gefärbt ist, um an die kurzen Momente dieser Himmelskonstellation zu erinnern.
Dankbar und zufrieden, kehre ich heim…
RR, 31.01. & 05.02. 2018

Ein „roter“ Mond …