Vom Zurücklassen der Dunkelheit

Auf das kommende Jahr zu blicken, heisst auch, die Quellen allen Kummers, die Ursachen der Schultern Last, die Gründe für Konflikte – ja die Dunkelheit in sich und um sich selbst herum zu erkennen, zu verstehen und am Ende zurückzulassen, um nicht erneut in ihre Netze zu gelangen und gefangen zu werden. Um freier zu sein und das zunehmend ausbleichende Licht tief im Innern nicht vollends zu verlieren.
Seien es Gedanken, Gefühle in sich selbst, die zu Krankheiten geführt haben, zwischenmenschliche Beziehungen in der Familie, im Freundes- und / oder Bekanntenkreis, in der Arbeitswelt – die Zeichen sind da, in der scheinbar endlosen Liste von dunklen Aspekten, die einem das Jahr zuvor schwer, ja teilweise unerträglich gemacht haben.
Dabei scheint es wichtig zu differenzieren, eher langfristige Konflikte auszumerzen und nicht einfach nur fortzulaufen, um jegliche Art von Kampf zu vermeiden, nein, eher darum zu erkennen, tiefer zu blicken, um wesentliche Aspekte der Dunkelheit die sich in Streit, Streß, Traurigkeiten, endlosen Debatten, Missverständnissen, unlösbaren Konflikten ausdrückt – Fragen, die scheinbar keine Antwort finden können.

Es ist die Kunst, verschiedene Strömungen nicht in sich zu behalten, sondern in ihrer Existenz zu begreifen, nicht daran festzuhalten und einfach weiter durch sich hindurch strömen zu lassen, bis sie verschwunden sind.

Oftmals ist es nämlich so, dass man tatsächlich daran festhält, entweder, weil man es nicht versteht was geschieht oder weil man glaubt, dies tun zu müssen, wobei es doch besser wäre, davon abzulassen, wenn es keinerlei Grund für das Festhalten gibt oder zu einer Lösung führen kann. Wenn man nur noch Kummer darüber empfindet, wie die Dinge laufen und sich aufreibt und das eigene Leiden zu groß wird.
Dann scheint die Zeit sicher gekommen, die Dunkelheit hinter sich zu lassen – nicht aus Egoismus oder Gründen, wie Feigheit oder Angst, sondern um das eigene Wohl und Heil willen, denn es liegt schon ein Unterschied darin einfach nur wegzulaufen, weil man jeglichem Streit aus dem Weg gehen und einfach nur in Frieden gelassen werden möchte, oder sich den Problemen tatsächlich zu stellen.
Doch wenn man einen Punkt erreicht hat, da es nicht mehr richtig vorangeht, Schmerz und die Traurigkeit größer werden, als abzunehmen, ist vielleicht der Augenblick einer Entscheidung gekommen. Und dies gilt sicherlich für alle Seiten eines Konflikts, denn niemand ist unfehlbar oder frei von Schwierigkeiten. Es stellt sich nur die Frage, ob man es noch länger ertragen oder dulden kann oder man den Punkt einer Lösung überschritten hat.
Ich glaube an den Dialog oder die Vergebung, aber es scheint nutzlos, wenn die Schuld aller Fragen nur auf den eigenen Schultern liegt. Erst im Erkennen, dass auf allen Seiten Schuld, Missverständnisse und Unklarheiten entstehen können, finden sich auch Lösungen, die den festen Knoten allen Streits lösen, den Weg aus dem Dickicht auf die Lichtung des Waldes und den Blick auf die Klarheit und Offenheit des Himmels freigeben.
Der Mensch handelt meistens nicht aus Bosheit, es ist auch wichtig die Umstände zu begreifen!
Die Dunkelheit all dieser Dinge im alten Jahr zurückzulassen, muss nicht das Ende des Pfades bedeuten. Vielleicht handelt es sich auch nur um ein augenblickliches Verlassen, denn in Geist und Herzen verstockt durch die vorliegende Zeit zu wandeln, bedeutet die Dunkelheit mit sich zu tragen, anstatt tatsächlich frei zu werden.
Wie in der Meditation sollte es sein, die da heisst:

Ich bin Zeuge. Aham Sakshi. Ich bezeuge. Die eigenen Ängste, negativen Gedanken auf ein Blatt legend, welches auf einem ruhig fließenden Fluss in der Ferne verschwindet. Ich bewege mich weiter. Ins Licht blickend. Mein Geist ist gelassen wie das Kerzenlicht. Gedanken konzentrierend. Mein Geist ist klar wie der Himmel.

Unseren Familien und Freunden, Lesern, Autoren, Mitarbeitern und allen Menschen, ein frohes, glückliches, heilsames und gesundes neues Jahr 2016, wünschen wir Ihnen allen in aller Herzlichkeit.
RR, 01.01.2016