Ein flüchtiger Blick Hoffnung

Kategorien Notizen des Herausgebers

„Heute war ein produktiver Tag!“, sprach er in stiller Freude zu sich selbst.

Nach einigen Erkenntnissen und Fortschritten gestern, hatte er seine Arbeit heute damit beginnen können, ohne nach Problemlösungen suchen zu müssen und sich endlich einmal darauf konzentriert etwas zu schaffen und sich notwendigen Aufgaben zu widmen:

Der neuen Fassung einer schon lange überfälligen Erzählung zum Beispiel, die eigentlich schon seit Wochen in Arbeit war, und auch als Basis für alle weiteren Erzählungen dienen sollte, was die technischen Belange betraf.

Denn eines hatte er seit seinem Entschluss erkannt:

Die Buchherstellung ist nicht nur mit dem Schreiben oder dem Formatieren von Text verknüpft! Die Vielzahl an Aufgaben überwältigte ihn oft und machte seinen Weg steinig und schwer.

In seiner Arbeit versuchte er stets, einen Grundton zu setzen, ein paar feste Regeln, einen Rahmen – die ihm die Sache erleichtern und ihm helfen sollten, während des Schaffensprozesses, nicht dieselben Fehler zu machen oder einem falschen Weg zu folgen.

„Kann man den Prozess der Buchherstellung kodifizieren?“, fragte er sich oft.

Nun, das versuchte er seit über einem Jahr herauszufinden, denn er hatte sich entschlossen, Autor und Verleger in einem zu sein.

Auch die Augen verdrehenden Blicke einiger Zuhörer, vermochten diesen Enthusiasmus nicht zu trüben!

„Warum kann es falsch sein, wenn man das eigene Schicksal in die Hand nimmt?!“, entgegnete er ihnen in Gedanken.

Man kann sich im Leben nur für den eigenen Pfad entscheiden und dann versuchen, diesen so gut es geht zu beschreiten.

Ein Regisseur, der das Drehbuch oder Stück geschrieben hat, ist in der Lage die Leitung zu übernehmen und sogar eine der Rollen, wenn nicht sogar die Hauptrolle zu spielen, was allgemeine Praxis in einigen Filmen und im Theater bestimmter Kulturen ist, wie dem Japanischen Noh Theater, und so ist es auch bereits seit Shakespeare´s Zeiten!

Es gab auch Autoren, die unter ihrem eigenen Verlag publizierten, so wie Virginia Wolf, eine Autorin, die er sehr gern las und noch viel lieber als Beispiel hervorholte. Aber dann fragte er sich, warum er ständig eine verteidigende Haltung einnahm! Oder einnehmen musste?

Qualität und Hingabe sind viel wichtiger und können auch im eigenen Verlag nicht ersetzt werden. Es gibt einen leichten Weg, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen, ohne überhaupt zu wissen, was zum Buchwesen gehört, oder so wie in seinem bzw. ihrem Fall, denn ganz allein war er in der Arbeit natürlich nicht: das Wichtige auf dem Weg zu lernen.

Der Dialog, die Diskussion, selbst die Kämpfe – dienten alle dem Zweck, die Kreation zu verbessern, bis sie vollendet war und vor einem Publikum, dem Leser oder Zuhörer erscheinen konnte.

Jeder Kunstprozess, im Grunde jede Arbeit, war kompliziert und brauchte immer spezialisierte Menschen während ihrer Entwicklung, was auf der einen Seite, ein Geschäftsmodel und Arbeit kreierte, doch auch den eigenen Weg tiefgreifend begrenzte, weil gewisse Schritte notwendig waren, ohne die sich nichts weiterentwickeln konnte.

„Wir sind nicht in der Lage ganz allein zu schaffen, selbst wenn wir Spezialisten auf jedem Gebiet wären, Mitarbeiter sind notwendig!“, führte er seiner Verlagspartnerin gegenüber oft aus.

„In seiner eigenen Arbeit und Welt gefangen zu sein, kann leicht zu Übersichtsverlust führen oder dem Verständnis für die eigenen Fehler und der wahren Wirkung auf die Empfänger, besonders in der Kunst.“

„Man muss das akzeptieren und nach Hilfe suchen! Oder Werkzeuge finden, die zwar die Menschen nicht ersetzen können, aber es für Künstler wie uns, die etwas aufbauen möchten, das über ihre eigentliche Arbeit hinausgeht, ein wenig leichter macht.“, führte er den Dialog fort.

Es war ein schwieriger Weg!

Jene Dinge, mit denen er sich den ganzen Tag beschäftigte, hatten mit dem Schreiben, der Musik, dem Theater und der Kunst zu tun, eigentlich schien es bereits mehr als genug sein, doch um irgendwo hin zu gelangen, zu publizieren und andere auf die eigene Arbeit aufmerksam zu machen, musste man so viele andere Aspekte bedienen, technisch und oft frustrierend, kostspielig und nur schwer, ganz allein zu vollbringen.

Einer der Gründe, warum er im Laufe dieses Tages, wieder in Problemlösungen gefangen wurde, nach dem guten Anfang am Morgen, der bis in den Nachmittag reichte.

Dann jedoch, später am Abend, ja, er hatte über all dies den ganzen Tag sinniert und daran gearbeitet, durchkreuzte ein klarer Gedanke seinen Geist:

„Du musst dich auf die Dinge konzentrieren, die machbar sind, und bevor du zum Markt läufst, um deine Arbeit anzukündigen, muss sie fertig sein.“

Und er fand die Kraft, sich die verbleibenden Erzählungen vorzunehmen, welche er, wegen all der Dinge, die getan werden mussten oder mehr Aufmerksamkeit forderten, als ihnen zustand, seit einiger Zeit zur Seite legen musste.

Einige Stunden später, drei von fünf Erzählungen (eine war bereits erschienen, eine andere fast fertig), die verzweifelt um eine Korrektur und Formatierung flehten, landeten die verbleibenden Texte in der Ablage seiner Lektorin, begleitet von einigen klaren Gedanken und Notizen.

Und nun, immer noch wach, einen aufschlussreichen Text über das Theater hinter sich und eine andere Notiz über die Erscheinung vor ihm. Allesamt interne, kodifizierende Texte, die ihn zur gleichen Zeit zum Erwachen drängten und um eine Niederschrift baten. Ideen, welche einige Prozesse und Konzepte leichter realisierbar machen würden.

Während er sich über die gute und produktive Arbeit an diesem Tage gewiss war, kroch jedoch erneut jene Dunkelheit in ihm hoch, die ihn seit Wochen gefangen gehalten hatte, mit flüchtigen Blicken hier und da, die klaren Gedanken trübend, nach denen er so inniglich trachtete.

Denn diese Erfahrungen, führten zu weiteren Spuren und Kunst, wofür der Verlag und dieser Kreis ja ins Leben gerufen wurden!

„Muss ich still stehen, bis ich mir in allem sicher bin oder kann ich einfach loslaufen, Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen, umkehren, in eine andere Richtung gehen, verbessern und versuchen, während sich hier alles entwickelt?“, sprach er am Abend zu sich selbst.

Er war ein Mensch, ein Künstler, der nach Ausdruck in verschiedenen Formen und Genren suchte, und heute, wenn auch nur für einen Augenblick, einen flüchtigen Blick auf die Hoffnung werfen konnte, welche diesen Pfad nährte, den er den Kreis der Spuren nannte…

Wie jeden Tag, war es bereits weit nach Mitternacht!

„Ich sollte schlafen gehen!“, sprach er zu sich selbst.

„Doch nur zur Erholung…“

Im Bett liegend, kamen seine Gedanken jedoch nicht zur Ruhe.

Also nahm er sein Notizbuch zur Hand und hielt ein paar weitere Gedanken fest, bis er irgendwann einschlief und von der Erfüllung seines Weges träumte.

RR, 08.09.2012

R. Rehahn
Autor, Künstler & Herausgeber...