Eine Woche im Fluss der Worte

Hier hatte ich die Idee einfach ein paar Bilder mit den teils poetisch Schilderungen der Geschehnisse eine Woche zu verbinden. Kein großes Werk, nur eine kleine Momentaufnahme der Dinge, um das Leben mit ein paar Versen zu umschreiben… Und dann ist es auch eine Art Schreibübung oder Versuch, Nach außen hin, soll es für die Leser und Betrachter irgendwie Sinn machen!

Bahnstation in Futakotamagawa…

Auf dem Bahnhof in der Abenddämmerung, die Vielfalt der Wege, zahllose Möglichkeiten, in alle Richtungen…

Eine verbluehende Kamelie in Jiyugaoka / Tokio…

Die ewige Vergänglichkeit der Existenz und des Lebens, verdorrende Schönheit, kalter Tag im Worte, die Hoffnung auf der Blüte Lieblichkeit…

Schneefall ueber den Daechern von Yamato…

Wintereinbruch, Schneefall über den Dächern, Kälte, bittere Kälte, weißes Grab oder das alte Dasein zugedeckt und auf ein Neues lebendig?

Heller Morgen über Yamato nach dem Schneefall …

Ein neuer Morgen, hell und frisch, die Schneedecke glitzert in der Sonne Strahlen, frei ist der Blick auf die hoffnungsvolle Ferne, was jedoch bringen uns die Wolken hinter den kargen Bergen?

Seltsame Zeichen am Himmel ueber Yamato…

Seltsam sind die Himmelszeichen, wundersam, geheimnisvoll und unerklärlich. Welches Schicksal sie aufzeigen, ist ungewiss…

Dunkle Zeichen in den Wolken am Himmel ueber Yamato…

Als plötzlich, wenn auch leider nicht gänzlich unerwartet, bedrohlich und finster, das, schon lange in den Schatten lauernde, an den Kräften zerrende, ja, alles Leben verschlingende Ungetüm, Leib und Seele ausweidend, in Unbarmherzigkeit das Leiden eines geliebten Menschen, erbarmungslos an die Grenzen des Daseins bringt, aus der Dunkelheit entweicht und nun alle Zurückhaltung, falls es sie jemals gab, in grausamer Rage, von sich wirft und das wahre, bittere, angst- & furchteinflößende, fratzenhafte Angesicht offenbart, welches als böser Rufe stets vorauseilt, in Schockstarre, Angst und Traurigkeit versetzt…

Sich aufloesende Wolken am Himmel ueber Yamato…

Beinahe täglich verflüchtigt sich das bitterböse Wesen, lässt dem Opfer kaum Luft zum Atmen oder Zeit offenen Wunden zu lecken, greift erneut an, verletzt und verlängert das tragische Leiden, zieht sich zurück, als sei dies ein Spiel…

Am Bahnhof Kamata in Kawasaki…

Mit der Stärke, Hoffnung, Liebe und dem Zusammenhalt, rechnet es jedoch niemals… Und gibt es kein Aufgeben und kein Zurückweichen, je ruchloser es ausholt, umso näher rücken wir zusammen, bis wir auf die eine oder andere Weise, diese schwere Schlacht in einen Sieg verwandelt haben!

RR, 01.02.2018

Acht Impressionen aus 7 Tagen des Lebens in Japan…

Spätes Herbstlaub im Joshinji Kuhombutsu Tempel

Die Zeit des Herbstlaubes ist natürlich eigentlich schon vorbei, wider Erwarten hatte ich jedoch das Glück noch etwas davon auf einem Spaziergang Mitte Dezember im buddhistischen „Jōshin-ji (Kuhombutsu)“ Tempel in Tokio zu erleben, der zu jeder Jahreszeit ein Ort der inneren Einkehr & dem Naturerlebnis ist. Ein paar weitere Gedanken zur Jahreszeit und zum Tempel folgen in Kürze …

Late Autumn Leafes at Joshinji – Kuhombutsu Temple in Tokyo…

The Autumn Season with its “Momiji” leaves is of course already past us, however against my expectations I was able to experience their beauty during a walk at the Buddhist „Jōshin-ji (Kuhombutsu)“ Temple in Tokyo Mid December, which is always a place of contemplation and nature experience in every season. More thoughts about the Season as well as the temple will follow soon…


Zurück zu den Büchern der Jugend

Als sich vor über 20 Jahren mein tiefes Interesse für Japan, seine alte, reiche, hoch ästhetische Kultur, seine Menschen und die Schönheit seiner Frauen zu entwickeln begann, suchte ich nach allem was aus meiner Heimat und der kleinen Stadt Wittenberg1 heraus, über das Land auffindbar war.

Filme, Kunst, Theater und vor allem Bücher…

Obwohl diese Art von Literatur für mein junges Alter vielleicht ein wenig zu schwer war, so tauchte ich doch tief in die prosaischen Werke von Altmeistern wie Yasunari Kawabata2, Yukio Mishima3 und vielen anderen ein.

Ich las diese Bücher, die aus einer fremden Geistes-, Gedanken- & Gefühlswelt heraus verfasst wurden, über Orte die ich nicht kannte, fremde Rituale, noch unbekannte Kunst und eine völlig andere Denkweise, fand dies alles doch so faszinierend und spannend, eine starke, unstillbare Sehnsucht in mir spürend, dass mir diese Welten, trotz aller Unterschiede, vertraut und wunderbar erschienen.

Zehn Jahre lebe ich nun schon fest in Japan4

Ein Teil meiner Nichten und Neffen, kennt mich nur als den Onkel der in Japan wohnt, so weit weg, ihre Kindheit habe ich auf der anderen Seite der Erde verbracht, ein anderer Teil, jene, deren Kindheit ich erlebt habe, wuchs durch das Alter der Jugend bis ins Erwachsenendasein heran.

Mein Kontakt mit Japan hält nun schon über 20 lange Jahre, die doch wie im Fluge vergangen sind, an.

Die Orte, Menschen, Geisteshaltung und Gefühlswelt sind mir wie ein Vertrauter5 und doch immer noch unergründlich fremd.

Und die Einflüsse6 dieses Lebens, zumal sie das eigene Dasein natürlich stark beeinflusst haben, werden in den nach mir kommenden auf eine Weise spürbar, die ich nicht für möglich gehalten hätte.

Nun nach langen Jahren nehme ich mir endlich einmal wieder Kawabata’s und andere Werke zur Hand und spüre schon beim Lesen der ersten Zeilen, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfließen – eine starke Empfindung, die mich dazu anhielt, diesen seltsam surrealen Augenblick hier festzuhalten.

Das ist es, was ich hier tun möchte:

Während des Lesens, achtsam sein und von Gedanken und Gefühlen erzählen…

RR, 20.08.2016


PS: Wer wissen möchte, welche Bücher sich genau in diesem kleinen Regal befinden, welches auf einer Kommode im Tatami7-Zimmer meiner Wohnung steht, dies wird Teil einer kleinen Serie hier im Journal, in denen ich die Titel kurz vorstelle, eine kleine Geschichte darüber erzähle, was das jeweilige Buch für mich bedeutet und wie es seinen Weg zu mir fand…


  1. Wittenberg, seit 1938 amtlich Lutherstadt Wittenberg, ist eine Stadt im östlichen Teil des Landes Sachsen-Anhalt und Sitz des Landkreises Wittenberg. Sie liegt an der Elbe zwischen Dessau-Roßlau im Westen, dem Fläming im Norden, der Dübener Heide im Süden und dem Elbe-Elster-Land im Osten, knapp 100 Kilometer südwestlich von Berlin und etwa 70 Kilometer nordnordöstlich von Leipzig. (Quelle, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherstadt_Wittenberg; http://www.wittenberg.de) ↩︎
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Kawabata_Yasunari/ ↩︎
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Mishima_Yukio/ ↩︎
  4. Japan ist ein 6852 Inseln umfassender ostasiatischer Staat im Pazifik, der indirekt im Norden an Russland, im Nordwesten an die Volksrepublik China, im Westen an Nordkorea und Südkorea und im Südwesten an die Republik China (Taiwan) grenzt und flächenmäßig der viertgrößte Inselstaat der Welt ist. De-facto-Hauptstadt und größte urbane Siedlung ist Tokio. Die Bildung des japanischen Staatswesens begann im 5. Jahrhundert unter kulturellem Einfluss des chinesischen Kaiserreichs. (Quelle, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Japan) ↩︎
  5. https://spurenkreis.de/journal/category/japan/ ↩︎
  6. https://spurenkreis.de/magazin/tag/japan ↩︎
  7. Tatami ist eine Matte aus Reisstroh, die in Japan als Fußboden in Washitsu (traditionell gestalteten Zimmern) verwendet wird. In der Nacht wird der Futon auf den Tatami ausgebreitet, um als Schlafstätte zu dienen. Aufgrund ihrer empfindlichen Oberflächenbeschaffenheit werden Tatami nur mit Socken oder barfuß betreten. (Quelle, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Tatami) ↩︎

Bücheregal im Tatami-Zimmer meiner Wohnung…

Eine persönliche Ebene

Vorwort zu einem eigenen Journal

Die ersten Zeilen, die ich bewusst festhielt, waren innige Empfindungen der Liebe, in den Seiten eines Tagebuches, also etwas sehr Persönliches. Ein Eintrag dem viele weitere folgten. Sobald ich jedoch begann, das Schreiben als etwas Kunstvolles zu verstehen, distanzierte ich mich zunehmend von der Wirklichkeit, meinem Umfeld, auch wenn es weiterhin sehr persönliche Dinge waren, mit denen ich mich in Liedtexten, Versen, Erzählungen und Theaterstücken mit Themen, Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen auseinandersetzte.

Jeglicher Bezug auf die Zeit, das Umfeld, die Gesellschaft, Namen, Städte usw., blieben immer stärker außen vor und fanden keinen Raum mehr in meinen Texten, in denen ich eine stilisierte Entfremdung vollzog.

Auch wenn es in allen Texten natürlich stets meine eigene Stimme ist, die spricht, so bleibt doch wenig übrig von mir als Person, die sich in Aspekten der Gegenwart und Realität meines Lebens widerspiegelt. Fast so als wandle ich ohne Verbindung durch Zeit und Raum, enthoben, entfernt, abgetrennt; als würde die bloße Erwähnung meine Existent zurück ins einfache Hier und Jetzt holen, als wäre es eine Schwäche oder zu profan um davon zu erzählen. Aber natürlich prägen und beschäftigen mich viele Aspekte in der Kunst, Literatur, Musik, Gesellschaft, Politik, des alltäglichen Lebens um mich herum.

Manchmal fühle ich mich abgetrennt vom Leben, kaum existent, wie ein Schatten, obwohl ich in der Art meines Schreibens doch nur versucht habe, das einfache Dasein zu erhöhen, ja vielleicht von allem profanen zu befreien, da ich so sehr an die Schönheit der Lyrik, die Art des Feinen1, glaube, ähnlich wie es Novalis beschrieben hat oder in der stilisierten Form des japanischen Noh Theaters, welches ich über alle Theaterkunst schätze, seit Jahrhunderten umgesetzt wird.

Oft frage ich mich, wo ich stehe oder wann, wenn ich nicht in der Gegenwart ruhe, sondern zeit- und raumlos durch die heiligen Hallen der Kunst und Schöpfung wandle, wer bin ich als Mensch, worin bin ich verwurzelt.

Obwohl es bereits viele Seiten im Spurenkreis2 gibt, die meine Worte und Texte tragen, so existiert doch kein solch persönlicher Raum, in dem ich zurückkehren kann auf diese persönliche Ebene.

Es liegt mir nicht, mich selbst in den Werken anderer zu präsentieren oder etwas aufzubauen, auf dem was andere geschaffen haben. Mir ging es stets um Originalität, darum, etwas eigenes zu schaffen, darin sehe ich die wirkliche Aufgabe von Kunst!

Die Transformation, die Adaption in eine völlig neue Sache…

Besonders in der heutigen Zeit in der alles und jeder recycelt wird, die Grenzen zwischen eigener Idee, Inspiration, Diebstahl zunehmend verwischen, die Scham darüber was tatsächlich noch die Kreation ist, abhanden gekommen und die Menschen interessiert es auch scheinbar kaum noch. Wie auch immer…

Dennoch, bin ich natürlich beeinflusst von sehr vielen Aspekten, Werken und vor allem Menschen im Leben und Schaffen.

Und wo ließe sich diese eigene Stimme am ehesten festhalten und erklingen lassen, als auf der einzigen Seite, die ansatzweise meinen Namen trägt, auch so eine Sache, die ich eher widerspenstig vollzogen habe. Denn mein Dasein ist eine Schattenexistenz3

Allerdings bin ich nun einmal hier und dies geht einher mit vielen neuen Richtungen, die ich in jüngster Zeit in zahlreichen Texten eingeschlagen habe, die sich mehr noch als früher mit dem beschäftigen, was um mich herum geschieht oder einmal war. Vielleicht ein Zeichen des Alters, womöglich sinkt die Wirklichkeit doch langsam in mein Schaffen ein.

Dies ist also mein persönliches Journal, nicht entfremdet, sondern einfach nur die eigene Stimme, die von Leben, von der Arbeit, den Einflüssen und vielem mehr erzählt.

RR, 01.04.2017


  1. http://spurenkreis.de/texte/von-der-art-des-feinen/↩︎
  2. http://spurenkreis.de/seiten/↩︎
  3. Originaler Eintrag aus der ersten Fassung des Spurenjournals, im 5. Kapitel des 1. Bandes der Spureneditionen „Der Pfad in den Kreis“ nachzulesen: http://spurenkreis.de/editionen/der-pfad-in-den-kreis/↩︎