Über die Bewahrung von Traditionen

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Die Frühlingszeit klingt sanft & stille ein, ihr milder Atem und Blütenhaftes Antlitz, belohnt uns mit den Entbehrungen der kalten Wintertage und nach dem der Palmsonntag vorüber ist, an dem Jesus Christus in Jerusalem angekommen war, beginnen langsam auch die Vorbereitungen für die alljährliche und wunderbare Osterzeit, die einmal mehr den Kreislauf des Lebens, des Todes & der Wiedergeburt feiert, des Heilands natürlich, aber auch den steten Wandel der Jahreszeiten und das Gefühl des Neuanfangs in den Menschen, ihrem Dasein und der Natur.

Nicht umsonst kommen in dieser Zeit so viele heidnische, jüdische, christliche Feiertage zusammen, weil es eine magische, natürliche Zeitenwende ist.

Und damit auch der Inbegriff der Tradition im Leben, in unserer Heimat Deutschland und in Europa.

Die Vorbereitungen für das Osterfest beginnen in den Kirchen und eigentlich schon mit der Fastenzeit.

Sobald die notwendigen Pflanzen für den Osterstrauch in der Natur erscheinen, setzen sich Familien, oft von der Mutter oder den ältesten Schwestern begonnen, gemeinsam mit den Kindern hin, um Eier auszublasen, im Anschluss farbenfroh und reich verziert zu bemalen, um damit dann den besagten Osterstrauch, der langsam Knospen trägt zu behängen.

An Karfreitag wird in vielen Familien auf Fleisch verzichtet, aus dem Grund der Kreuzigung Jesu, und ein eher karges, schlichtes Mahl zu sich genommen, gleichzeitig wohl auch ein Überbleibsel der Fastenzeit, sozusagen das Fasten der kleinen Leute, deswegen jedoch nicht minder bedeutsam oder aufrichtig.

Das Leiden Christi an diesem Tag wird mit Zurückhaltung, Einfachheit, Stille und Verzicht bedacht. Der Gang zur Kirche ist ebenso wichtig und eine Notwendigkeit, wie auch die Rezeption der Passionsgeschichte, ob nun im Lesen des Originals aus der Bibel, dem Vernehmen in der Kirche oder in anderer Audio-Visueller Form.

Für mich bildet die Bibel und die darin zitierten Geschehnisse um Christus, unsern Herrn, an den christlichen Feiertagen den Mittelpunkt, in der einen oder anderen Weise.

Am Ostersamstag werden dann die Eier gefärbt, ein Osterzopf gebacken, wunderschöne Bräuche, es gibt weitere viele Vorbereitungen für das heilige Fest am Sonntag der Auferstehung Christi.

Der Ostersonntag ist für die Kinder mit Spannung erfüllt, wenn sie in der Frühe erwachen, in Gärten, Parks oder in der Wohnung nach den Ostereiern, Osterhasen und anderen Süßigkeiten der Saison, sowie in letzter Zeit zunehmend auch kleinen Geschenken, suchen.

Dann geht es in die Kirche, um vom Wunder der Auferstehung Christi zu hören und diese „Wiedergeburt“ in der Eintracht der Christengemeinde, mit Gesang, Lobpreis & Musik zu feiern.
Gäste, Fremde, Neuankömmlinge aller Herkunft sind dort willkommen.

Nach dem Gottesdienst gibt es vielleicht eine weitere Eiersuche für die Kinder im Garten oder dem Gebäude der Gemeinde, bei einem Kaffee, Osterfrühstück oder Mittagessen in der Gemeinschaft wird die Auferstehung Christi zelebriert.

Wo auch immer es stattfindet, es wird ein traditionelles, festliches Mahl sein, bei dem die Familie zusammenkommt, fein gekleidet und in fröhlicher Stimmung.

Nach der Mittagsruhe verbringt man auch den Nachmittag zusammen, vielleicht auch mit einem Spaziergang in hoffentlich frühlingshafter Natur, vor der Kaffeezeit, ebenfalls eine festliche Tafel.

Die Kinder verbringen den Tag mit ihren Süßigkeiten, die Osterhasen und all das Zubehör werden hier und da womöglich sogar in Spielzeug umfunktioniert, Nester werden gebaut. So haben wir Kinder es jedenfalls früher getan…

Wie an Weihnachten liegt eine gemeinschaftliche, festliche, harmonische Stimmung in der Luft.

Die Freude über Christi Auferstehung, den Anfang des Frühlings, wird in einem zauberhaften Lebensfest gefeiert.

Die österliche Geschichte der Bezwingung der Finsternis des Todes durch das wundersame Licht Christi, des Herrn, ist allgegenwärtig, im Zusammensein von Freunden, Familien, erneut in visuellen Darstellungen, Musik und der Gemeinschaft.

Der Abend des Ostersonntags klingt ruhig aus, die Feier der Auferstehung endet am Ostermontag, dieses Fest des Lebens kann nicht lange genug dauern.

Für Christen in Deutschland, in Europa & natürlich aller Welt, ist Ostern eine bedeutsame Zeit voller Traditionen, Zusammenhalt & Erinnerung, Leben, Liebe & Hoffnung.

Und auch Nichtchristen begehen diese Tage, jeder auf seine Weise, aber nicht unähnlich und vor allen Dingen tief verwurzelt in Kultur und Dasein.
Allein das Osterfest spiegelt unsere Kultur in kostbarer Mannigfaltigkeit wider:

Traditionen, Familie, Gemeinschaft, Zurückhaltung, Erinnerung,

Wertschätzung, Menschlichkeit, Gastfreundschaft, Rückbesinnung, Umkehr, das Teilen mit anderen, die Liebe zur Natur, das Pflegen von handwerklichen Bräuchen u.v.m.

Wie ein Mikrokosmos deutscher, europäischer, westlicher christlicher Kultur.

Allein der Blick auf Ostern zeigt die wunderbaren Werte unserer Lebensweise, die in diesen Tagen ständig in Frage gestellt, von Fremden wie von Einheimischen verspottet mit Füßen getreten, einer Gefahr der Verdrängung & Zerstörung ausgesetzt ist.

Einige stellen all das, von dem auch sie zehren, zu Leben, Wohlstand & Glück, Sicherheit & Frieden gekommen sind, durch die Überhöhung Ihrer eigenen Gesinnung & Ideologie in Frage, ob nun metaphysischer, aufgeklärter oder mystischer Natur.

Doch ich frage mich, wie der düstere Weg des Hasses und der Zerstörung zum Leben, zur Liebe führen kann?

Der christliche Glaube ist Liebe, rein und ein wenig naiv vielleicht, aber keinesfalls mit Dummheit geschlagen.

Gerade an Karfreitag müssen wir uns an unsere wundervollen Werte erinnern, all das was uns nicht respektiert, verdrängen, vernichten und verleumden will, da wir kritisch sind, nicht zurückweichen und uns zur Wehr setzen, verenden lassen, um neu geboren zu werden und all das was zu Versöhnung, Leben, Bewahrung, Liebe, Hoffnung, Zusammenhalt, Frieden und Wiedergeburt führt, zu sähen und zu nähren, auf dass es Blüte und Ernte in allen Menschen, Völkern & Nationen bringen möge.

Das Leid stirbt heute an Karfreitag, geopfert um unser aller Seelenheil Willen, durch die Kreuzigung Christi.

In der Auferstehung entspringt eine Blüte in der Wüste, ein Licht aus der Dunkelheit entfacht.

Ein langes Wochenende für alle Menschen, die diese Tage in Sicherheit, Frieden, heil, gesättigt und gemeinschaftlich verleben können.
Gilt es nicht, dies zu erkennen, die eigenen Wurzeln zu akzeptieren, das Glück & Wunder dieses Geschenks anzunehmen und für uns alle zu bewahren?!

Ich glaube schon…

Die Bewahrung der Traditionen ist Teil des Heils unserer Kultur & Lebensweise.

An Ostern oder den Feiertagen ist es besonders herauskristallisiert, jedoch auch und vor allem im Alltag erkennbar und omnipräsent.

All jene, die das nicht erkennen, sollten sich fragen, ob sie ihr eigenes Glück begreifen, denn sie diffamieren aus der Sicherheit und in Freiheit eben jener Zivilisation, die sie so zu verachten und zu bekämpfen scheinen, dass man sich fragen muss, ob sich nicht auf der falschen Seite stehen, ihr Bild der Wahrheit verzerrt & sie all jene bekämpfen, die eigentlich keine Feinde sind.

Und jene, die all die Gaben, die aus unserer Kultur der Gemeinschaft, des Mitgefühls und der Gastfreundschaft entspringen, als Selbstverständlichkeit ansehen, jenen mannigfaltigen und grausamen Schaden zufügen, die für die Existenz, Erhaltung und Lebendigkeit dieser Gaben Sorge tragen, sollten erkennen, ihre dämonischen Wege verlassen, umkehren, im Opfer Karfreitags zurücklassen, im Licht der Auferstehung am Ostersonntag, neu anfangen.

All das wünsche ich mir von ganzem Herzen, denn ich will es nicht erleben, dass ein Osterfest kommt, welches nicht mehr in Frieden, Freiheit und in dieser Gemeinschaft möglich ist.

Wir sollten uns im Klaren sein, dass genau dies auf Messers Schneide steht.

Darum, Herr, schenke uns als Menschheit, Europäer, Deutsche die Kraft zu erkennen, wo das Übel seinen Ursprung hat, um es von der Wurzel her auszureißen, bevor es das Land befällt, in eine trockne Einöde zerschmettert, eine Wüste des Geistes, der Herzen und des Daseins zurücklässt, in der nichts mehr gedeihen kann, nur noch Hass, Engstirnigkeit, Rückwärtsgewandtheit & totale Vernichtung des Lebens wie wir es kennen, schätzen und an Ostern feiern.

Lass uns zusammen gegen jene stehen, die tatsächlich unsere Feinde sind und nicht eher ruhen, bis das Ende aller Tage, wie ein Krummsäbel über uns hereinbricht.

Dafür hast Du Deinen Leib nicht für uns gegeben, Herr, dafür hast Dein Blut du nicht für uns vergossen, Gottvater, Sohn & Heiliger Geist.

Lass uns das Leben, die Freude & das Wunder der Auferstehung in Geist, Herzen und auf unseren Wegen zuteilwerden.

Amen

Ein frohes, gesegnetes Osterfest Ihnen und uns allen…

R. Rehahn, 30.03.2018

Evangelische Kirche in Gotanda / Tokio an Karfreitag…

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