Die Anfänge der Arbeit am Manuskript

Anfang

Wie bereits einmal erwähnt, gleicht meine Arbeit oft, der eines Archivars, der Sammlungen, in dem, über Jahre entstandene, Texte lagern, nach Manuskripten für die Veröffentlichung durchsucht, auch wenn es natürlich die eigenen Texte sind und ich genau weiss, was existiert.

Viele sind bereits Teil einer internen Titelliste mit geplanten Veröffentlichungen für den Verlag und Vollendung war von Anfang an dabei. Zumeist in unzähligen Dokumenten vorhanden, ist es manchmal schwierig herauszufinden, welche nun die zuletzt bearbeitete Fassung darstellt.

Doch einmal gefunden, nehme ich diese zur Hand und importiere sie in das Textverarbeitungsprogramm meiner Wahl, im Augenblick Scrivener oder Ulysses, welche ich wirklich jedem Autoren oder kleinen Verlagen empfehlen kann.

Sie dienen unterschiedlichen Zwecken:

In letzterem (Ulysses), lässt es sich besser auf den Text konzentrieren, besonders wenn ein Projekt erst entsteht. Die Metapher der Papierstapel oder Ordner, hilft einem hervorragend, Textsammlungen zu erstellen und auf diese Weise langsam aufzubauen.

Zudem bringt die nahtlose Anbindung an Daedalus Touch1, einer App für iOS, die Möglichkeit mit sich, auch unterwegs ohne Schwierigkeiten weiterzuarbeiten.

Erstere (Scrivener) scheint mir für dieses Projekt jedoch besser, da der Text bereits verfasst ist und nur bearbeitet werden muss. Zwar gibt es die Software noch nicht für mobile Geräte (ist aber wohl in Arbeit)2, bietet aber die Synchronisation mit externen Ordnern, die man dann über Clouddienste auch unterwegs abrufen kann, oder mit Simplenote — was beides aus meiner Erfahrung sehr gut funktioniert.

Kommentarfunktionen, direkte Versionierung und viele Aspekte mehr, machen Scrivener zu einem sehr wichtigen Werkzeug für die Arbeit. Alles ist geordnet und in einer einzigen Schreibzentrale, aus der sich alles wunderbar bearbeiten und exportieren lässt. Und dabei habe ich noch nicht einmal alle Funktionen ergründet. Auch die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, aber mehr darüber vielleicht an anderer Stelle!

In der heutigen Zeit scheint es wichtig zu sein, die gleichen Daten und Inhalte überall abrufen zu können. Zusammen mit Funktionalität und Ästhetik der Plattform, wähle ich die Werkzeuge für mich bzw. uns dementsprechend aus.

Ein weiterer Grund der Notwendigkeit all dieser Dinge, ist, die teilweise große Distanz zwischen den Mitarbeitern (Autoren, Lektoren usw.)3.

Ich dachte gerade, wären wir alle an einem Ort, würde es Papier sicher auch tun — auch wenn eine Übertragung irgendwann natürlich doch notwendig werden würde, wenn man die Manuskripte für den Druck und den

Export in verschiedene Formate vorbereiten muss. Diese analoge Arbeitsweise würde ich sehr gerne einmal versuchen und eines der nächsten Projekte könnte, um der Sache Willen, mal auf diese Weise entstehen.

Aber zurück zur aktuellen Arbeit…

Die Befreiung des Textes

Der erste Arbeitsschritt ist die Rückbesinnung auf den reinen Text, die Konzentration auf das geschriebene Wort, denn alles ist im Grunde nur Rohmaterial, teilweise mit seltsamer Zeichensetzung und Formatierung.

Zum einen liegt dies an den technischen Fertigkeiten und Kenntnissen der damaligen Zeit, zum anderen an einer bestimmten Schreibhaltung, in welcher der Sinn der Geschichte, die gewünschten Stimmungen usw. nicht nur durch die Worten, Sätze usw. Ausdruck finden sollten, sondern auch in der Art der Zeichensetzung. Allerdings oftmals stark übertrieben!

Ein Beispiel:

Früher kamen mir Punkte oder gewissen Satzzeichen, in bestimmten Situationen einer Erzählung zu eingrenzend vor, weshalb ich sehr oft auf die drei Punkte „…“ zurückgriff, die für mich eine Weichheit und Offenheit symbolisierten. Zusammen mit den oft verwendeten „..“ als Einleitung, erscheint es für mich heute allerdings als ein sehr chaotisches Durcheinander und ist nicht mehr ganz nachvollziehbar, weshalb ich es nunmehr eher sparsam einsetze.

Hinzu kommt auch ein Problem bei der Formatierung des fertigen Manuskriptes:

Je nach Anwendung sehen diese Punkte in E‐Books oder gedruckten Büchern nicht sehr ästhetisch aus, weil sie manchmal abgetrennt werden oder auf der nächsten Seite erscheinen usw. Das ist eine völlig neue Richtung, an die man damals, zur Zeit der Entstehung des Textes, natürlich nicht gedacht hat.

Also ist die Befreiung davon, in vielerlei Hinsicht notwendig:

Inhaltlich, ästhetisch, wie auch rein technisch.

Der Text des Originalmanuskriptes wird also stets erst einmal völlig von jeglicher Formatierung befreit:

Einrückungen, doppelte oder mehrfache Leerzeichen, eigensinnige Anordnungen, Überschriften etc., so dass am Ende das reine Wort vor einem liegt, ohne störende Formatierungen. Dies erfolgt im Grunde bei allen vorliegenden Manuskripten.

Im Hinblick auf Entwicklungen der letzten Jahre, scheint mir Markdown eine wunderbare Möglichkeit, sich beim Schreiben auf den Text zu konzentrieren, ohne in Formatierungsleisten herumzusuchen, und dabei dennoch, eine oft notwendige Textstruktur zu erreichen. Aber alles geschieht im Fluss des Verfassens, der nicht gestört werden und sich natürlich entfalten sollte.

Wenn dann am Ende dieser Reinigung, der Text vorliegt, beginne ich mit verschiedenen Durchläufen einer Korrektur, was Rechtschreibung, Grammatik, Ausdruck und Satzzeichen angehen, und führe dies dann weiter mit einer inhaltlichen Neubearbeitung im eigenen Lektorat.

All dies dient ebenfalls nur der Vorbereitung für den nächsten Schritt:

Der Einbeziehung des eigentlichen Lektors in den Prozess dieser Arbeit, neben der Schöpfung des Textes selbst, der wohl wichtigsten Aufgabe in der Entstehung eines Buches!

Von den beiden nächsten Etappen, werde ich jedoch das nächste Mal erzählen…

Nachtrag zur Arbeitsweise

Es ist wichtig, finde ich, die Arbeit relativ lokal durchführen zu können, angefangen vom Papier oder Notizbüchern, bis hin zu den digitalen Werkzeugen, die heutzutage nun einmal schwer wegzudenken sind, besonders, wenn man, wie wir, über mehrere Kontinente verstreut ist.

Ein Großteil dieses Eintrages befasst sich damit und meine Lektorin meinte, dies wäre viel zu technisch und schwer nachvollziehbar. Aber ein Grund für dieses Tagebuch, ist auch Hilfe oder Tipps für die Arbeit für die Arbeit oder das Schreiben zu geben, die vielleicht anderen Autoren, kleinen Verlagen oder einfach einem Menschen, der ein Projekt vor sich hat, helfen können.

Als Autor und Künstler, sehe ich mich gern getrennt von den Dingen dieser Welt, aber ich bin es natürlich nicht und nutze die Werkzeuge und Mittel dieser Zeit ebenso wie alle anderen auch.

In diesem Sinne, sollen diese Aufzeichnungen eine neue Richtung einschlagen, einen Dialog beginnen und die Verbindung suchen. Im Hinblick auf die Publikation (dieses Arbeitstagebuches oder jeder Art von Projekt) im Netz, gibt es viele weitere Werkzeuge — neue kommen ständig dazu. Dazu an anderer Stelle vielleicht mehr.

Aber natürlich ist die technische Seite der Arbeit nicht die Hauptsache, aber ein wichtiger Bestandteil.

Es gibt viele Wege…


  1. Mittlerweile ist dann auch Ulysses für iOS erschienen, mit nahezu denselben Funktionen und in jüngster Zeit sogar mit Medium & WordPress Anbindung. Somit ein unverzichtbares Werkzeug für alle Autoren / innen oder jene die viel mit Text arbeiten.
  2. Und auch Scrivener ist mittlerweile für iOS vorhanden, in ebenso beinahe vollem Umfang wie die Desktop — Software. Noch ein Werkzeug auf das man, in der Schreib‐ & Korrektur — Arbeit, nicht verzichten möchte.
  3. Unsere Mitarbeiter sind über mehrere Kontinente verteilt, von Deutschland, Schweden bis nach Japan. Daher ist es wichtig die richtige Plattform & die passenden Werkzeuge für die Zusammenarbeit zu haben.

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